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Rede von Ercan Ayboga zur Kundgebung vom 06.11.2001FRIEDEN GEGEN KRIEG! Liebe Darmstädterinnen und Darmstädter, Vor knapp zwei Monaten ereignete sich in den USA ein grausamer Anschlag mit mehreren tausenden Toten. Dieser Anschlag muss zweifellos aufs Schärfste verurteilt werden. Gewalt und Terror dürfen auf dieser Welt nicht mehr ein Mittel der Auseinandersetzung sein. Doch wollen wir uns gleich an dieser Stelle fragen: War es wirklich ein Angriff auf die hochgepriesene "Freiheit" oder die "zivilisierte Welt", wie es von westlichen Regierungsstellen sofort dargelegt wurde? Oder handelt es sich nicht vielmehr um eine Folge des auf der Welt vorherrschenden politischen Systems? Wie kann der Entwicklung der Eskalation an Gewalt entgegengetreten werden? Der durch die USA begonnene Krieg in Afghanistan ist es auf jeden Fall nicht. Dies zeigt sich immer mehr in den letzten Entwicklungen. Immer mehr Zivilisten werden Opfer der Bombenangriffe. Es muss anstatt mehr Militär-Interventionen und Sicherheitsmaßnahmen eine Veränderung der vorherrschenden ungerechten Politik eintreten. Es darf nicht vergessen werden, dass sich die These einer sicheren Welt nur dann verwirklichen lässt, wenn in der Welt die Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit als Ganzes verwirklicht werden. Noch mehr Demokratie, Freiheit, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für alle; eine Welt, in der das Leben aller tatsächlich und nicht auf dem Papier respektiert und geachtet wird. Die Neue Weltordnung und der Nahe Osten Wir stellen fest, dass die USA den Angriff vom 11. September zum Vorwand nehmen, die Welt nach ihren Vorstellungen neu zu ordnen. Die mit dem Golfkrieg heraufbeschworene Neue Weltordnung hat sich wohl nicht ganz durchsetzen können. Besonders der Nahe Osten widerstrebt sich in dieser Hinsicht. Dies liegt daran, dass diese Region geo-strategisch in vieler Hinsicht sehr bedeutend für die Entwicklungen auf der ganzen Welt ist. Hier baut sich seit vielen Jahren gegen die Interessen und Hegemonie der westlichen Welt eine Anti-Bewegung auf. Hinzu kommen noch weitere Aspekte, denn es handelt sich gleichzeitig um eine Region mit sehr komplexen Beziehungen. Die gerechten Forderungen und Ablehnung der Menschen des Nahen Ostens gegen den Neo-Imperialismus werden besonders seit ein-zwei Jahrzehnten immer öfter zur Sprache gebracht. Das nächste Ziel: Irak Es ist davon auszugehen, dass sich der Krieg nicht auf Afghanistan beschränken wird. Das nächste, das eigentliche Ziel (!) wird wohl der Irak sein. Daraufhin deuten die an die Öffentlichkeit tretenden Meldungen. Zum Beispiel: Der Irak wird beschuldigt, bin Laden tatkräftige technisch-militärisch-finanzielle Hilfe geleistet zu haben. Er wird auch mit den Milzbrandfällen in Verbindung gebracht. Das Verhalten der Türkei In der Türkei diskutieren die Politiker und Medien, wie man sich im Falle eines Angriffes auf den Irak verhalten soll. Die größte Besorgnis dabei ist, dass sich ein offizieller Status ergeben könnte, der die KurdInnen im Irak akzeptiert, ihr eine weitgehende Föderation anerkennt und die Türkei zu Schritten in der kurdischen Frage dringen würde. Gerade die sog. Kriegsgewinnler treten in dieser Situation hervor und fordern eine harte Gangart gegen den Irak und die KurdInnen. Eine Ausrufung eines kurdischen Staates würde auch nach Ansichten mehrerer Politiker einen Kriegsgrund darstellen. Die Türkei würde den jetzigen Status nicht ändern wollen. Abbau demokratischer Rechte Die durch die USA geschaffene Atmosphäre der vermehrten Gewaltbereitschaft in der ganzen Welt machen sich wie die Türkei auch vor allem Russland, China, Indien und die europäischen Staaten zunutze. Wir wenden uns besonders an alle mit der Forderung nach Frieden, Freiheit, Menschlichkeit und Gerechtigkeit.
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