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Offener Brief an den Vorsitzenden der Grünen Fraktion Herrn Klaus Feuchtinger anlässlich des in der Podiumsdiskussion der Grünen am 17.10.2001 in der Bessunger Knabenschule gemachten Vorwurfs Sehr geehrter Herr Feuchtinger Sie sagten, die Organisatoren der Dienstags-Friedensdemonstrationen in Darmstadt missbrauchten die Angriffe auf das World Trade Center zu politischen Zwecken, um den Vereinigten Staaten Staatsterrorismus vorzuwerfen. Nein, das ist unwahr. Im Namen des Bündnisses "Nehmt New York nicht zum Vorwand" sage ich Ihnen: "Die Anschläge in Washington und New York mit annähernd 6000 Toten sind eine furchtbare und durch nichts zu entschuldigende Tat" (Günter Grass). Unsere höchste Achtung gilt dem beispielhaften Einsatz des New Yorker Bürgermeisters, Rudolph Giuliani - sie gilt den Angehörigen der Opfer, die menschliche Grösse, Mut udn Klarsicht bewiesen als sie die Regierung aufriefen, ihre toten Kinder, Männer und Frauen, Mütter und Väter nicht zum Vorwand zu nehmen, um Afghanistan zu bombardieren und ein weiteres menschliches Drama zu verursachen - und sie gilt der amerikanischen Friedensbewegung von Seattle bis Washington, die dazu aufrief, einen barbarischen Akt nicht mit einem weiteren barbarischen Akt zu vergelten. Ja, wir üben Kritik. Unsere Kritik richtet sich nicht gegen das amerikanische Volk, sich richtet sich gegen seine Regierung. Die Hoffnung so Vieler auf eine adäquate Antwort, eine sorgfältig gedachte, die Konsequenzen bedenkende, eine neue, eine wirksame Antwort auf eine neue, schreckliche Art von Terrorismus wurden enttäuscht. Und die Grünen, die uneingeschränkte Solidarität zusichern und Militärschläge auf Afghanistan befürworten? Einmal in der Regierung ignorieren die Grünen ihr Parteiprogramm. Ja, wir üben Kritik. Kritik an einer Partei und an einer Regierung, die viele von uns gewählt haben, die mit Verantwortung tragen für die Sicherheit in diesem Land, für Freiheit, für Demokratie - die eine Verpflichtung zur Humanität haben - sie ergibt sich aus Artikel 1 des Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Nach den Angriffen auf Afghanistan erleben die Vereinigten Staaten eine Serie von Niederlagen - die militärische Offensive droht aus dem Ruder zu laufen. Nach drei Wochen Krieg ist das eine erbärmliche politische Bilanz und ein humanitäres Drama (le Monde, 26.10.2001). Die Kritik wächst: hier, in Europa, in den USA, in der Dritten Welt. Stellvertretend möchte ich die Inderin Arundhati Roy zitieren, die soeben einen zweiten Essay in der indischen Zeitschrift "Outlook" publizierte: "Nichts kann einen Terroranschlag entschuldigen und rechtfertigen, ob er nun von religiösen Fundamentalisten, privaten Milizen, nationalen Widerstandsbewegungen ausgeübt wird ... Was ist der Ausweg? Krieg jedenfalls ist nicht das Mittel, die Terroristen vom 11. September vor ein internationales Gericht zu bringen. Wir, der Westen, müssen den Mut haben zu sagen, dass wir das passende Mittel nicht kennen - dass es subtilere, differenziertere, langwierige und die patriotischen und religiösen Gefühle weniger aufwiegelnde Mittel sein müssen. HALTET EIN UND BESINNT EUCH! |
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